i-D Magazine Interview

Das i-D Magazine hat sich mit fünf Berlinerinnen über Selbstakzeptanz, „Natural Hair“ und kulturelle Aneignung unterhalten.

 
Julia Dalia, 25, Model


Was haben Haare mit Selbstakzeptanz zu tun?

Meine Eltern haben wirklich keine Ahnung gehabt, was sie mit meinen Haare machen sollen. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass meine Haare schön sind. Als Kind wollte ich viel lieber das blonde, blauäugige Mädchen sein. Mit ungefähr 22, oder 23, habe ich auf Instagram ein Mädchen entdeckt. Die hatte einen riesigen Locken-Busch und hat auf ihrem Profil Tipps für die Pflege von Afro-Haaren gegeben. Das war so eine Offenbarung für mich! Meine Haare sind kraus, mit wenigen, definierten Strähnen. Salimata hingegen hat sehr definierte Locken. Jeder hat eine individuelle Haarstruktur, jede Haarstruktur eine kreative Energie. Die muss man kennenlernen, um sie akzeptieren zu können.

In deutschen Drogerien ist es im Jahr 2016 immer noch nahezu unmöglich, Make-up-Produkte für dunkelhäutige Frauen zu finden. Wie sieht es mit Haarprodukten aus?

Ich komme mit den Haarprodukten aus den deutschen Drogerien gar nicht klar.

Schränkt dich dein Afro in deinen Beruf als Model ein, oder ist er von Vorteil?

Er ist in den meisten Fällen von Vorteil. Ich bin in den Werbungen dann immer der Quoten-Afro, das lachende Afro-Girl. Das verschafft mir viele Werbejobs, von denen man auch gut leben kann. Aber in einer Werbung für Bebe zum Beispiel, würden sie wahrscheinlich den Typ mit heller Hautfarbe bevorzugen. Ich konzentriere mich lieber auf meine Vorteile und finde es nicht so schlimm.

Der Komiker Paul Mooney sagte mal „When your hair is relaxed, white people are relaxed.“ Warst du jemals auf der Arbeit oder ähnlichen Orten wegen deiner Haare in Schwierigkeiten?

Bei meinem Arbeitsplatz nicht, aber ich habe es schon erlebt, dass sich eine ältere Dame von mir weggesetzt hat, wegen meinen Haaren.

Nachdem die junge Aktivistin und Schauspielerin Amandla Stenberg Kylie Jenner auf Instagram wegen ihrer Cornrows kritisiert hat, Braids zum Trend geworden sind und traditionelle, afrikanische Frisuren wie Bantu Knots plötzlich von Modemagazinen als „Mini-Bun’s“ bezeichnet wurden, wurde kulturelle Aneignung wieder zu einem Thema. Wie stehst du dazu?

Es ist schön, wenn man sich von anderen Kulturen inspirieren lässt. An dieser Stelle ist es ein heikles Thema. Man kann sich nicht nur das Schöne und Lustige rausziehen, dann aber das Traurige ignorieren. Beschäftige dich mit der Kultur, um sie zu verstehen. Ich finde es nicht OK, wenn unsere Kultur zum Geldmachen ausgenutzt wird. Da kann ich die Wut verstehen. An sich finde ich es aber nicht schlimm, wenn Weiße sich Braids machen und damit schön aussehen.

Viele junge, schwarze Mädchen träumen von langen, glatten Haaren. Was muss unternommen werden, um das Selbstbewusstsein dieser Mädchen zu stärken?

Meine Mutter hat immer ihr Bestes gegeben. Hätte sie aber von Anfang an das Know-how gehabt, um mir zu erklären, wie ich mit meinen Haaren umzugehen habe, hätte ich sie als Kind vielleicht schneller akzeptieren können. Es hat auch viel mit Vorbildern zu tun und das was einen umgibt. Wenn man den Kindern von Charakteren wie Rosa Parks erzählt und erwähnt was sie und ihre krausen Haare für tolle Dinge unternommen haben, schaffen sie Vorbilder, mit denen sich die Kinder auch optisch identifizieren können.

  
Credits

Text & Produktion: Naomie Chokoago

Fotos: Joseph Wolfgang Ohlert  
Alle Interviews findet ihr HIER.

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